Finger weg vom Handy auf dem Arbeitsweg

Finger weg vom Handy auf dem Arbeitsweg

Dass man während man Auto fährt die Finger vom Handy lassen sollte, ist mittelerweise Allgemeinwissen. Wer jetzt aber meint, auf der sicheren Seite zu sein, wenn er mal eben rechts ran fährt, um zu telefonieren oder eine SMS zu lesen/beantworten, der irrt. Denn damit verliert er nämlich seinen gesetzlichen Unfallversicherungsschutz auf dem Arbeitsweg. Das hat das Landessozialgericht Baden-Württemberg jüngst entschieden.

In dem entschiedenen Fall hatte eine kaufmännische Angestellte als PKW-Fahrerin auf dem Heimweg von der Arbeit eine SMS erhalten. Um diese zu lesen, wollte sie in einer Parkbucht anhalten. Auf ihr blinkendes und abbremsendes Fahrzeug fuhr ihr Hintermann auf. Durch den Unfall wurde sie erheblich verletzt.

Die gesetzliche Unfallversicherung lehnte die Übernahme von Kosten ab, weil sich der Unfall nicht auf dem versicherten Arbeitsweg ereignet habe. Dem folgte nun das Landessozialgericht in zweiter Instanz. Das Abbremsen und beabsichtigte Verlassen der Straße zum Zwecke des Lesens einer SMS stelle eine deutliche Zäsur und ein Verlassen des versicherten Weges dar. In dem Moment, als die Klägerin geblinkt und gebremst habe, um in die Parkbucht zu fahren, habe sie damit begonnen, ihren Entschluss umzusetzen, den versicherten Weg zu verlassen, um eine eigenwirtschaftliche Handlung zu ermöglichen. Unfälle, die im Zusammenhang mit eigenwirtschaftlichen Verhaltensweisen stehen, seien aber nicht versichert. Dass die Klägerin in verkehrsrechtlicher Hinsicht damit richtig gehandelt hat sei zwar anerkennenswert, führe aber nicht zu einer abweichenden Anwendung unfallversicherungsrechtlicher Grundsätze.